Wegen meiner CI-Operation will ich etwas zurückgeben 

Die Cochlea-Implantat Operation von Hermund Feldborg hat in ihm den Wunsch geweckt, Arzt zu werden, um so etwas zurückzugeben.

Der heute 22-jährige Hermund Feldborg erkrankte als Kind an einer Hirnhautentzündung, welche zu einem fast vollständigen Hörverlust führte.

In der Schule wurde seine Krankheit berücksichtigt, doch sein Gehör verschlechterte sich zunehmend. Als er später das Gymnasium besuchte, stieg zwar sein akademisches Niveau, dennoch fiel es ihm immer schwerer, dem Unterricht zu folgen. Er wusste, dass etwas unternommen werden musste, um seine Situation zu verbessern. Die Lösung war schließlich eine CI-Operation.

Die Operation hat sein Leben verändert

Die Operation hat Hermund Feldborg ein komplett neues Leben ermöglicht. Ganz plötzlich konnte er Musik hören und ein Handy benutzen. Vor der Operation war ein Medizinstudium undenkbar. „Lange Zeit habe ich darüber nachgedacht, aber ich wusste, dass mir mein Gehör dort Grenzen setzt“. Nach der CI-Operation hat sich das jedoch geändert. Die Operation und die positiven Erlebnisse mit dem Gesundheitswesen haben in Feldborg den Wunsch geweckt, etwas zurückzugeben.

Mittlerweile hat er die Hälfte seines Medizinstudiums geschafft. Er studiert in Krakau und obwohl er weit weg von seiner Heimat Vrådal in der Telemark ist, hat er kein Heimweh. 90% der anderen Studenten sind ebenfalls Norweger.

Auch wenn sein Studium anstrengend ist und er für Freizeitaktivitäten selten Zeit hat, geht er im Winter snowboarden und im Sommer wakeboarden.

Persönliche Erfahrung bedeutet Verständnis

Als Teil des Studiums war Hermund Feldborg Praktikant in der Hals-, Nasen-, Ohrenabteilung am Universitätsklinikum in Oslo. Hier war er an allen Arten von Behandlungen beteiligt; von der Behandlung von Ohrenschmerzen bis hin zu der Behandlung von Kehlkopfkrebs. Da er eigene Erfahrungen mit Ohrenbehandlung hat, verfügt er über ein besonderes Verständnis. „Wenn Patienten sagen, dass sie schlecht hören und deshalb im Alltag Probleme haben, kann ich es gut nachvollziehen“, erklärt Feldborg. Er überlegt, sich auf Ontologie zu spezialisieren, aber da ihm noch 3 Jahre von seinem Praktikum fehlen, möchte er sich noch nicht genau festlegen. „Wir werden sehen“, sagt er. Die Möglichkeiten sind da.

Verbesserte Sprachkenntnisse

Zunächst fürchtete Hermund Feldborg das Studium in Krakau, da es in englischer Sprache war. Seine Englischnoten im Gymnasium waren, aufgrund seiner Schwerhörigkeit, nur durchschnittlich. „Ich dachte, dass es ziemlich problematisch werden kann, aber meine Englischkenntnisse sind mittlerweile recht gut. Obwohl die Universität nicht speziell für Schwerhörige ausgelegt ist, sprechen die Dozenten gutes Englisch. Außerdem arbeiten wir in kleinen Gruppen — ein absoluter Vorteil für mich“, erklärt Feldborg weiter. Seit der CI-Operation fällt es ihm merkbar leichter Fremdsprachen zu lernen.

Positives Denken ist der Schlüssel

Für Hermund Feldborg war es die richtige Entscheidung, seinen Traum zu verfolgen und Arzt zu werden. „Man kann nicht wissen, ob es möglich ist, wenn man es vorher nicht versucht hat. Meiner Erfahrung nach, kann man mit Willensstärke eine Menge erreichen. Es nützt nichts, sich selbst zu bemitleiden“, sagt Feldborg. „Solange wir leben, sollten wir unser Leben genießen.“

Quelle: Din Hørsel, HLF (Hørselshemmedes Landsforbund) 08/2010