Ruhestand und volles Tonspektrum 

Fred Churchill ist in Topform, gesund und seit kurzem Rentner. Aber die Freude über den verdienten Ruhestand wurde von einer unschönen Entdeckung überschattet - der Erkenntnis, dass er an einer Schwerhörigkeit leidet.

Fred and Karen Churchill
Fred mit seiner Ehefrau, Karen.

Ein Besuch beim Gehörspezialisten hatte es ergeben: Fred Churchill leidet an Presbyakusis, einem altersbedingten schrittweisen Rückgang der Funktionstüchtigkeit des Gehörsinns.

“Ich bin 65 Jahre alt, damals war ich 54. Wenn ich nur zehn Jahre älter gewesen wäre, hätte ich es leichter akzeptieren können”, erklärt er.

Freds Erkrankung ist keine Seltenheit in seiner Altersgruppe.

Presbyakusis wird durch eine Abnutzung der Haarzellen im Innenohr verursacht, die für die Umwandlung von Klangwellen in Nervenimpulse verantwortlich sind. Es ist ein Prozess, der zuerst die hochfrequenten Töne betrifft. Genau diese konnte auch er nicht mehr hören. Es waren die zischenden Konsonanten wie “C”, “S” und “F”, an deren Stelle im Wort nichts zu hören war. Damit werden Worte teilweise unverständlich oder klingen für den Betroffenen wie andere Worte. Besonders hohe Stimmen von Frauen oder Kindern können zusätzlich schwer verständlich sein. Dies ist ein echtes Problem, wenn man gerne so viel wie möglich seiner Zeit zusammen mit seiner Frau, seinen drei Kindern und vier Enkeln verbringen will, so wie Fred.

“Manchmal war meine Interpretation von dem, was meine Frau Karen oder andere sagten, echt lustig” erinnert er sich.

Sichtweise geändert

Hörgeräte? Die sehen nicht gut aus, sind teuer und die werden mit alten Menschen in Verbindung gebracht - dies sind einige Gedanken, die Fred damals hatte. Aber er glaubte auch, dass ein Hörgerät unnötig sei, berichtet seine Frau Karen.

“Ich glaube seine anfängliche Ablehnung war, weil er keine Hörgeräte kaufen wollte, die er nicht braucht”, berichtet sie.

Heute ist er anderer Meinung. Nachdem er nun seit fast zwei Jahren die flachen Hightech-Hörgeräte, die hinter dem Ohr befestigt werden, getragen hat, hat er seine Meinung zu Hörgeräten geändert. Die Gründe sind offensichtlich.

Er kann wieder die volle Vielfältigkeit von Musik in allen Tonlagen genießen, sei es Jazz, Klassik oder Blue Grass - seine persönlichen Lieblingsgenres - und es gibt keine merkwürdigen Hörerlebnisse mehr, wenn die Musik kurz verschwindet sobald es in die höheren Tonlagen geht. Auch das permanente Kommunikationshindernis, geschuldet den kuriosen Interpretationen von Fragen seitens seiner Enkel, ist kein Problem mehr. Die Fragen versteht er nun problemlos und kann sie gleich beantworten ohne über die Bedeutung rätseln zu müssen. Auch wenn Bars und Restaurants immer noch Orte sind, an denen eine Unterhaltung schwer fällt, wird auch hier einiges durch das Hörgerät erleichtert. Die Hörgeräte können den Sprecher mit Hilfe der Blickrichtung identifizieren und das von dort kommende Signal verstärken, während andere Geräusche aus der Umgebung abgeschwächt werden.

Information, Unterstützung und Perspektive

Im Rückblick erkennt Fred, dass er sein Leben an die Schwerhörigkeit angepasst hatte. Er musste sich näher an den Lautsprecher in einem Meeting setzen und immer höflich seine Gesprächspartner bitten, das Gesagte zu wiederholen. Besonders das Nachfragen, nach dem Wiederholen wurde schnell besonders belastend, meint Fred. In manchen Situationen wurde ihm klar, dass Gespräche mit einer oder mehreren Personen in einer vollen Bar oder in einem gut besuchten Restaurant, wo es laute Hintergrundgeräusche gibt, unmöglich geworden waren.

Seine Frau Karen, ein sehr geduldiger Mensch, wurde auch immer frustrierter. “Manchmal wusste ich einfach nicht, ob er mich nicht hört oder mir einfach nicht zuhört”, erinnert Karen sich amüsiert.

Nach ein wenig Recherche und dank der Unterstützung von Karen, kaufte Fred sich die ersten Hörgeräte. Er selbst sagt, dass ihm aber ein anderer Faktor maßgeblich geholfen habe, nämlich die Möglichkeit, seine Schwerhörigkeit in Perspektive zu können.
Fred arbeitete für das nationale Institut für Blinde (NIB). Nach einer langen und erfolgreichen Karriere bei Kodak war er einige Jahre als Berater für verschiedene Organisationen tätig bevor er fest bei NIB begann, seiner letzten Arbeit vor dem Ruhestand Anfang 2007. Er dachte über all die talentierten Menschen nach, mit denen er zusammengearbeitet hatte. Manche von ihnen waren teilweise, andere völlig erblindet und trotzdem glücklich und erfolgreich. “Wenn man mit solchen Menschen zusammen arbeitet, hilft das sehr, die eigene Situation zu akzeptieren, und es inspiriert auch”, so Fred.

Den Ruhestand viel mehr genießen

Alles in allem hat sich das Leben für Fred zum besseren gewandt.

“Die Hörgeräte haben viel verbessert”, so Fred und erklärt weiter: “Sie sind nicht perfekt und ich kann nicht wieder völlig normal hören, aber es ist viel besser geworden”

Freds Hörgeräte sind teuer und die Versicherung deckte die Kosten nicht, auch wasserdicht sind sie nicht, also kann er sie auch nicht beim Fliegenfischen mit seinem Sohn oder beim Kajak Fahren mit Karen tragen. Außerdem sind sie seiner Brille im Weg und weil sie nicht exakt an das Ohr angepasst sind, hat er Angst, dass sie aus dem Ohr fallen, wenn er zum Beispiel einen Pullover überzieht oder einen Hut aufsetzt. (Oh, und die beiden Katzen der Familie würden sicher auch liebend gerne damit spielen) Aber auch wenn er sich viele Gedanken darüber macht, wann er die Hörgeräte tragen kann und wann nicht, ist sein Gehör meistens wesentlich besser und das macht es ihm möglich, den Ruhestand viel mehr zu genießen.

Für die Liebe seines Lebens, seine Frau Karen ist das genug: “Ich bin froh, dass sehr sie hat”, berichtet sie.

Und während Freds Gehör wahrscheinlich weiter schlechter werden wird, unterstreicht er, dass die Hörgeräte jeweils angepasst werden können. Aber auch wenn dies noch weit in der Zukunft liegt, passt Fred schon mal seine Einstellung an. Er erinnert sich an etwas, das er während seiner Arbeit im NIB gehört hat.

“Die Blinden im Büro würden sagen: Blind sein ist eine Beeinträchtigung, wir würden es nicht einmal als Behinderung bezeichnen”. Fred betrachtet genau so auch seine Schwerhörigkeit.